Die meisten Fahrer sprechen kein englisch und können auch keine Karten lesen, vor allem nicht mit lateinischer Schrift. Man ist also auf ein Minimum an arabischen Vokabular zur Kommunikation seines gewünschten Ziels angewiesen. Mit den Begriffe sharia (Straße) oder midan (Platz) hat man schon ganz gute Karten. Wenn mann dann noch hina kwayis (hier gut) kennt, hält der Fahrer wieder an. Ich hatte jedenfalls bisher immer Glück und kam dort an, wo ich hinwollte, was mir durchaus das ungute Gefühl vor den Fahrten mittlerweile genommen hat.
Die Bezahlung ist natürlich nochmal eine andere Geschichte. Man muss die Preise quasi kennen, zahlt am Ziel und geht. Hier ist das Frau-sein ein Vorteil, denn es kam schon vor, dass sich der Taxifahrer beschwert hat, weil er mehr Geld wollte. Aber mehr als meckern macht er in der Regel bei Frauen dann nicht. Hat man nur große Scheine, braucht man nicht mit Wechselgeld zu rechnen, es sei denn, man hat den Preis vorher ausgehandelt, was ich allerdings noch nicht wirklich gut kann. Ich habe also sicher schon einige Male zu viel gezahlt. Da eine Fahrt aber nur 3-5 Pfund kostet, kann ich damit gut leben.
Zu einer erfolgreichen Fahrt gehört dann nur noch, dass man ein Taxi erwischt, was zur Hauptverkehrszeit sehr schwierig werden kann. So auch heute bei mir: Um ca. 17 Uhr wollte ich von Zamalek zu meiner Sprachschule nach Mohandissin fahren. Nach einiger Wartezeit fand ich endlich ein leeres Taxi und musste zu meinem Pech auch noch mit ihm über den Preis verhandeln, da er 10 Pfund von mir wollte. Ich konnte ihn auf 7 runterhandeln, nachdem wir aber 50 Meter gefahren waren und auf den ersten Stau stießen, wollte er direkt mehr, was grundsätzlich auch üblich ist, wenn sich eine Fahrt durch zähflüssigen Verkehr verlängert. Ich fand es zwar blöd, aber da ich eh kein anderes Taxi bekommen hätte, blieb mir ja nichts anderes übrig. Nachdem sich einige Zeit nichts bewegt hat, drehte der Fahrer und fuhr zur nächsten Brücke. Wieder Stau und kein Vorankommen. Gleiches Prozedere, leider immer mehr in die entgegengesetzte Richtung von meinem Ziel. An der dritten Brücke war natürlich auch Stau, aber eine weitere gibt es nicht. Zu allem Übel ist dann auch noch der Motor abgesoffen. Er hat ihn irgendwie wieder zum Laufen gebracht und wir sind zur nächsten Tanke geschlichen, wo die Ursache bekämpft wurde. Auch mal nett, mit dem Taxi einen Stopp bei der Tankstelle zu machen!
Nach 45 Min. kam ich dann endlich an meinem Ziel an, in shaa allah! Für so eine lange Fahrt war das dann doch ein fairer Preis. Für die nette Unterhaltung habe ich ihm dann noch Trinkgeld gegeben. Spätestens jetzt bin ich wohl auch fürs Taxi fahren abgehärtet!
