Mittwoch, 31. Oktober 2007

Taxi, Taxi!

Mein neues Hauptverkehrsmittel in Kairo ist das Taxi. Man stelle sich hier nicht die deutsche Variante eines eierschalenfarbenen Mercedes mit neuester Innenausstattung vor, nein! Kairoer Taxis sind ungefähr halb so groß - wenn überhaupt - schwarz-weiß und ziemlich verbeult. Manchmal erwischt man eins von denen, die statt mit normalen Autoscheinwerfern mit blau und rot blinkenden Lichtern in der Windschutz- oder Heckscheibe ausgestattet sind, da schlägt das Herz höher! Meist ist die frisch gewaschenen Hose nach der Taxifahrt auch nicht mehr so frisch und was regelmäßig zu einem Problem wird, ist das Aussteigen, da man, abgesehen davon, dass man aus den durchgesessenen Sitzen kaum hoch kommt, auch den Hebel zum Öffnen der Türe nicht findet. Trotzdem habe ich mich mit den niedlichen kleinen kaum verkehrstauglichen Autos schon angefreundet. Obwohl gerade dieses Transportmittel mir in der ersten Woche einiges Unbehagen zugefügt hat.
Die meisten Fahrer sprechen kein englisch und können auch keine Karten lesen, vor allem nicht mit lateinischer Schrift. Man ist also auf ein Minimum an arabischen Vokabular zur Kommunikation seines gewünschten Ziels angewiesen. Mit den Begriffe sharia (Straße) oder midan (Platz) hat man schon ganz gute Karten. Wenn mann dann noch hina kwayis (hier gut) kennt, hält der Fahrer wieder an. Ich hatte jedenfalls bisher immer Glück und kam dort an, wo ich hinwollte, was mir durchaus das ungute Gefühl vor den Fahrten mittlerweile genommen hat.
Die Bezahlung ist natürlich nochmal eine andere Geschichte. Man muss die Preise quasi kennen, zahlt am Ziel und geht. Hier ist das Frau-sein ein Vorteil, denn es kam schon vor, dass sich der Taxifahrer beschwert hat, weil er mehr Geld wollte. Aber mehr als meckern macht er in der Regel bei Frauen dann nicht. Hat man nur große Scheine, braucht man nicht mit Wechselgeld zu rechnen, es sei denn, man hat den Preis vorher ausgehandelt, was ich allerdings noch nicht wirklich gut kann. Ich habe also sicher schon einige Male zu viel gezahlt. Da eine Fahrt aber nur 3-5 Pfund kostet, kann ich damit gut leben.
Zu einer erfolgreichen Fahrt gehört dann nur noch, dass man ein Taxi erwischt, was zur Hauptverkehrszeit sehr schwierig werden kann. So auch heute bei mir: Um ca. 17 Uhr wollte ich von Zamalek zu meiner Sprachschule nach Mohandissin fahren. Nach einiger Wartezeit fand ich endlich ein leeres Taxi und musste zu meinem Pech auch noch mit ihm über den Preis verhandeln, da er 10 Pfund von mir wollte. Ich konnte ihn auf 7 runterhandeln, nachdem wir aber 50 Meter gefahren waren und auf den ersten Stau stießen, wollte er direkt mehr, was grundsätzlich auch üblich ist, wenn sich eine Fahrt durch zähflüssigen Verkehr verlängert. Ich fand es zwar blöd, aber da ich eh kein anderes Taxi bekommen hätte, blieb mir ja nichts anderes übrig. Nachdem sich einige Zeit nichts bewegt hat, drehte der Fahrer und fuhr zur nächsten Brücke. Wieder Stau und kein Vorankommen. Gleiches Prozedere, leider immer mehr in die entgegengesetzte Richtung von meinem Ziel. An der dritten Brücke war natürlich auch Stau, aber eine weitere gibt es nicht. Zu allem Übel ist dann auch noch der Motor abgesoffen. Er hat ihn irgendwie wieder zum Laufen gebracht und wir sind zur nächsten Tanke geschlichen, wo die Ursache bekämpft wurde. Auch mal nett, mit dem Taxi einen Stopp bei der Tankstelle zu machen!

Nach 45 Min. kam ich dann endlich an meinem Ziel an, in shaa allah! Für so eine lange Fahrt war das dann doch ein fairer Preis. Für die nette Unterhaltung habe ich ihm dann noch Trinkgeld gegeben. Spätestens jetzt bin ich wohl auch fürs Taxi fahren abgehärtet!

Montag, 29. Oktober 2007

Ahlan wa sahlan fi Qahira!

Willkommen in Kairo! - oder auch in "Misr" wie ein Ägypter sagen würde, der, obwohl dies Ägypten bedeutet, sich damit auf die Hauptstadt bezieht.

Nach einem dreistündigen Flug landete ich also in Kairo. Die Formalitäten zur Erlangung des Touristen-Visas sind gleich ein guter Eindruck von der ägyptischen Bürokratie und auch der Arbeitsmenthalität: warum schnell wenn es auch langsam oder umständlich geht! Von einem mürrischen, zurückzuführen auf die geringe Bezahlung, Beamten bekommt man dennoch ohne Probleme seine für 15 Dollar oder Euro vorher erworbene Briefmarke im Pass abgestempelt, mit dem man sich dann 3 Monate in Ägypten aufhalten darf. Nachdem mich der von der GTZ (die Firma, bei der ich mein Praktikum mache) geschickte Fahrer nach mehrmaligem Verfahren dann doch endlich zu meiner neue Wohnung gebracht und meine schwere Tasche in den 4. Stock geschleppt hatte, war ich also da.
Das gefühlsmäßige ankommen und tatsächliche Einleben dauerte dann aber doch etwas länger als nur 3 Stunden. Nach ca. einer Woche und trotz fehlender Arabischkenntnisse habe ich nun den ersten Kulturschock überwunden und fühle mich hier zumindest wohl. Der Schritt zum tatsächlichen Heimisch fühlen ist wohl noch ein größerer, aber ich bin zuversichtlich, dass ich diesen auch noch machen werde.
Blick in meine Strasse
Für die nächsten 6 Monate wohne ich in Agouza, einem eher traditionellen Wohnviertel in Giza eines der Governorate von der Kairo, das sich westlich des Nils befindet. Meine Wohnung ist nach ägyptischen Verhältnissen der oberen Mittelschicht zuzurechnen, nach unseren Maßstäben würde man sie wohl als etwas schäbig einstufen. Mir fehlen auch definitiv noch ein paar Möbel und Deko-Gegenstände, aber ansonsten fühle ich mich hier sehr wohl. Die Wohnung ist riesig und hat eine wunderbare Terrasse mit Blick ins Grüne. Meine Mitbewohnerinnen Jessie und Tina sind sehr nett und können beide hervorragend
arabisch, was wirklich sehr hilfreich ist.

Mein Zimmer
Haustiere habe ich hier auch: Eidechsen und Ameisen, die vor allem in der Küche zu beobachten sind und irgendwo unter der Mauer eine Kolonie haben müssen, da manchmal ziemlich breite Ameisenstraßen zu beobachten sind. Das Fazit daraus ist: keine Essensreste rumliegen lassen und immer gleich alles abwaschen!





Terrasse

Ich habe nun auch schon meine erste Arbeitswoche hinter mir und bis darauf, dass ich immer noch nicht alles von dem Programm verstanden habe, macht es mir sehr viel Spaß und es ist super interessant.

Es wird also definitiv eine sehr aufregende und spannende Zeit hier in Ägypten. Morgen beginnt endlich mein Arabisch-Kurs, so dass ich bald auch hoffentlich kommunikativ am ägyptischen Leben teilnehmen kann.


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