Dienstag, 18. Dezember 2007

Schafe und warum es manchmal kein Wasser gibt

Heute ist hier Feiertag. Um etwas präziser zu sein: Waqfa Eid Al-Adha, derVorbereitungstag für das Große Bairamfest. Bei diesem Opferfest wird dem Propheten Ibrahim gedacht (bei den Christen ist die Abraham), der die von Gott auferlegte Probe bestanden hatte, indem er bereit war, Allah seinen Sohn Ismael (Isaak) zu opfern. Als Allah seine Bereitschaft und sein Gottvertrauen sah, gebot er ihm Einhalt und Ibrahim opferten daraufhin voller Dankbarkeit im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder. Heutzutage opfern alle gläubigen Muslime, insofern sie es sich leisten können, zu diesem Fest ein Tier, von dessen Fleisch auch ein Anteil an Arme und Hungrige verteilt wird. Im Allgemeinen wird dabei ein Schaf geschlachtet. Daher gibt es wohl auch seit einer Woche eine kleine Schafherde vor meinem Haus.


Die Schafe werden immer fleißig gefüttert und von frechen Kindern behütet, die sie regelmäßig mit Stöcken schikanieren, was bei mir auf völliges Unverständnis stößt! Die armen, süßen Schafe wissen leider noch nichts von ihrem schrecklichen Schicksal, dass sie in morgen erwartet...
Meine Vermieterin, die im untersten Stockwerk meines Hauses wohnt, und ihre Familie schlachten statt einem Schaf wohl lieber ein Rind! Nachdem nämlich heute morgen mal wieder kein Wasser aus dem Wasserhahn kam - was in letzter Zeit sehr häufig vorkam - bin ich wutentbrannt auf den Balkon gerannt, um zu sehen, ob der bouwwab (so eine Art Hausmeister) schon wieder Blumen gießt, das Auto wäscht oder wie beim letzten Mal, einfach vergessen hat, den Wasserhahn zuzudrehen und das Wasser dann 4 Tage lang in die Garage gelaufen ist! (Ja, ich hatte 4 Tage lang kein Wasser!!!) Aber nein, dieses Mal wurde das Wasser benötigt, um das vom Schlachten des Rindes überall verteilte Blut wegzuspülen. Lecker. Ich konnte mir es dann aber trotz meines leichten Ekels nicht nehmen lassen, mir das Prozedere anzuschauen. Zum Glück habe ich verpasst, wie dem Rind der Kopf abgehauen wurde, ich habe dann nur noch das Enthäuten (oder wie man so was nennt) und das Entnehmen der Gedärme, Zerteilen usw. gesehen. Dies hat meine Entscheidung, ein Vegetarier-Dasein zu führen, ein weiteres Mal bekräftigt! Trotzdem fand ich es wahnsinnig spannend, immerhin kann man ja nicht alle Tage zusehen, wie in seinem Vorgarten bzw. der Einfahrt ein Rind geschlachtet wird.


Morgen nach dem ersten Gebet werden dann wohl alle in meiner Nachbarschaft lebenden Schafe geschlachtet. Die Armen! Ich werde hier mit Scheuklappen rumlaufen, falls ich das Haus verlassen werde.
Seit meinem letzten Eintrag ist ja auch schon wieder sehr viel Zeit vergangen. Ich war wirklich ziemlich beschäftigt und zudem ging dann auch einige Tage unser Internet nicht, so dass ich einfach nicht zum Schreiben kam. Die Wasserproblematik und diverse Weihnachtsfeiern waren außerdem ein zeitraubender Faktor. Vermutlich komme ich auch vor Weihnachten zu keinem weiteren Eintrag, da ich nämlich die nächsten Tage in der Wüste verbringen werde. Daher wünsche ich allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie entspannte Feiertage!


Bei dem Adventskaffee in unserem Programm haben alle Deutschen
für die ägyptischen Kollegen deutsches Essen gemacht.
Alle Ägypter haben es brav probiert, finden aber natürlich ägyptisches Essen viel besser!
Geht mir aber umgekehrt genau so =)
In diesem Sinne: genießt das deutsche Weihnachtsessen!

Dienstag, 4. Dezember 2007

Crash

Eigentlich hätte es mich gewundert, wenn ich dies nicht mal selbst erlebt hätte. Heute morgen auf dem Weg zur Arbeit war es dann so weit, und dazu noch in meinem favorisierten Verkehrsmittel =) Ich hatte einen Unfall mit einem Taxi! Oder besser gesagt, mein Taxifahrer hatte einen Unfall. Es war kein schlimmer Unfall und mir ist auch nichts passiert - außer vielleicht ein kleiner Schreck. Aber da man ja bei der hiesigen Verkehrssituation und der Fahrweise immer mit einem Crash rechnet, war auch dieser schnell wieder vorbei. Es war nur ein kleiner Auffahrunfall, bei dem die halbe Stoßstange des vor uns fahrenden Autos - ein Taxi - abgefallen ist und die Kühlerhaube meines Taxis einen Knick hatte und halb offen stand. Nach dem Unfall sind beide ausgestiegen (sofort ging hinter uns das Gehupe los) und haben sich den Schaden angesehen. Dann ist das passiert, womit man in Ägypten eigentlich rechnet: beide sind wieder eingestiegen und weiter gefahren. Das war's. Easy going.
Mir tat es nur sehr leid für meinen Taxifahrer. Er heißt Abdul und ist mein Nachbar und fährt mich jeden Morgen zur Arbeit! Wir haben uns unterhalten und da war er wohl kurz etwas unaufmerksam. Ich hoffe, er kann die Kühlerhaube wieder reparieren.
Ich finde es ja fast schon etwas unangenehm, so oft über den Verkehr zu lamentieren, aber er ist wirklich schrecklich. Ich weiß sogar schon, was Stau auf arabisch heißt, da jeder Taxifahrer immer darüber flucht! Kann man sich auch als Deutscher gut merken. Wird fast wie "sag mal" auf hessisch ausgesprochen: sachma!