Als ich vor ein paar Tagen feststellte, dass ich schon seit 5 Wochen hier bin, war ich doch sehr überrascht, denn es kommt mir gar nicht so lange vor. Vielleicht liegt es daran, dass ich immer so viel unterwegs bin, obwohl ich dabei manchmal das Gefühl habe, gar nicht so viel zu machen. Ich habe beispielsweise bisher kaum touristische Sehenswürdigkeiten oder Museen besucht und komme auch nicht dazu, fleißig meine Arabisch-Vokabeln zu lernen oder mal was zu lesen. Vielleicht liegt es das daran, dass man sehr viel Zeit damit verbringt, um von A nach B zu kommen: gestern saß ich für eine Strecke 2 Stunden im Taxi, ganz abgesehen von 2 x 45 Minuten zur Arbeit und wieder zurück, die ich auch noch im Auto verbracht habe. Leider ist es auch so, dass man die Zeit irgendwie nicht wirklich sinnvoll nutzen kann. Zumindest finde ich es derzeit noch spannend, Kairo aus dem Auto zu betrachten! Weite Strecken während der rush hour versuche ich allerdings in Zukunft zu vermeiden, obwohl man natürlich auch bei kurzen Strecken lange brauchen kann. Naja, der Weg ist das Ziel =)
Meine freie Zeit habe ich in der letzten Woche mit Ausgehen und Shoppen verbracht =). Beides auf seine Art spannend und Ersterem wird auf jeden Fall noch ein Blog gewidmet! Aber auch die Einkaufsmöglichkeiten haben mich positiv überrascht. Mädels, ihr könnt Platz im Koffer lassen, wenn ihr nach Kairo kommt! Am Anfang dachte ich nämlich, es sei unmöglich, hier normale Klamotten, d. h. ohne Glitzer, Pailletten, Blumenmuster und fancy Aufschriften, zu finden. Aber man darf sich einfach nicht von den Schaufenstern abschrecken lassen! Und auf den zweiten Blick kann man wirklich nette und vor allem sehr günstige Sachen finden. Wenn man dann noch darauf achtet, Baumwollprodukte 'made in Egypt' zu kaufen, hat man sogar noch gute Qualität (hoffe ich, der empirische Nachweis fehlt bisher noch).
Mittlerweile kehrt hier langsam die kältere Jahreszeit ein. Es ist kalt, wenn ich morgens aufstehe und eine Jacke ist morgens auch schon angebracht. Ich habe mir sagen lassen, dass es noch kälter wird. Dafür ist meine Wohnung eigentlich gar nicht gebaut, denn abgesehen davon dass es keine Heizung gibt, schließen auch einige Fenster nicht richtig. Zum Glück ist der Winter hier kurz. Und zur Not nutze ich zum Aufwärmen einfach mal einen Besuch in einer Sauna, die es in den luxuriösen 5-Sterne Hotels oder in manchen Fitness-Studios gibt. Am Freitag gibt es hier sogar einen Weihnachtsbasar mit Bratwürstchen (egal), Waffeln (sehr nett) und Glühwein (super), damit man auch hier etwas in Weihnachtsstimmung kommt. In diesem Sinne - schöne Adventszeit (auch wenn diese erst in einer Woche beginnt)!
Montag, 26. November 2007
Freitag, 16. November 2007
Es gibt noch viel zu lernen...
Eine der täglichen Herausforderungen ist das Kairoer Verkehrschaos, mit dem man auch als Fußgänger ziemlich zu kämpfen hat. Denn häufig sind die Bürgersteige in solch schlechtem Zustand, dass man sie nicht benutzen kann (im Falle einer Benutzung ist in jedem Fall permanentes auf den Boden schauen gefordert, da es sonst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zur Kollision mit herumliegenden Steinen oder plötzlich auftauchenden Schlaglöchern kommt!), sie werden von parkenden Autos in Anspruch genommen oder sie sind erst gar nicht vorhanden. Da man so gezwungen wird, auf der Straße zu laufen, nimmt man auch als Fußgänger unmittelbar am fahrenden Verkehr teil.
Hieran kann ich mich durchaus gewöhnen. Womit ich mich allerdings auf keinen Fall anfreunden kann, ist die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. Ich kann mich damit abfinden, dass sie andere Autofahrer anhupen, aber doch bitte nicht auch noch mich! Vor allem nicht, wenn ich sie neben mir sind und ich sie eigentlich sehe. Ein kräftiges ins Ohr hupen am morgen ist für die noch schläfrigen Sinne ziemlich nervtötend. Das Ignorieren des Gehupe kann somit zu einer echten Herausforderung werden.
Eine Hürde stellen für Fußgänger - insbesondere nicht-ägyptische Fußgänger - auch die drei- bis vierspurigen Straßen dar (die Anzahl der Spuren bezieht sich hier nur auf die Breite der Straße, denn für Ägypter spielen Markierungen eher eine untergeordnete Rolle). Ampeln gibt es selten, außerdem dienen sie eher als Lichtquelle als zur Regelung des Verkehrs, und nützen einem Fußgänger daher herzlich wenig. Zur Überquerung einer solchen Straße werfe man sich also bei einer guten Gelegenheit, z. B. einer kleinen Lücke, in den fahrenden Verkehr und hoffe, dass die Autofahrer -falls nötig- abbremsen oder ausweichen. Dies kostet durchaus einige Überwindung. Aber nachdem ich nun schon zahlreiche Erfolge beim Überqueren solcher Straßen hatte, war ich der Überzeugung, dass ich die Methode doch mittlerweile ganz gut drauf habe. Als ich neulich wieder zögernd am Rand einer der bereiteren und sehr stark befahrenen Straßen stand und auf die kleine Lücke im Verkehr wartete, muss ich wohl so hilflos ausgesehen haben, dass mich doch promt ein netter Ägypter über die Straße geleitet hat. Er sah mich und lief quasi direkt los, in den fahrenden Verkehr hinein, so dass alle Autos anhielten und ich hinter ihm über die Straße gerannt bin. Ich war wirklich sehr beeindruckt! Meine Methode ist also noch ausbaufähig. Ich hoffe, die Übung macht's =)
Hieran kann ich mich durchaus gewöhnen. Womit ich mich allerdings auf keinen Fall anfreunden kann, ist die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. Ich kann mich damit abfinden, dass sie andere Autofahrer anhupen, aber doch bitte nicht auch noch mich! Vor allem nicht, wenn ich sie neben mir sind und ich sie eigentlich sehe. Ein kräftiges ins Ohr hupen am morgen ist für die noch schläfrigen Sinne ziemlich nervtötend. Das Ignorieren des Gehupe kann somit zu einer echten Herausforderung werden.
Eine Hürde stellen für Fußgänger - insbesondere nicht-ägyptische Fußgänger - auch die drei- bis vierspurigen Straßen dar (die Anzahl der Spuren bezieht sich hier nur auf die Breite der Straße, denn für Ägypter spielen Markierungen eher eine untergeordnete Rolle). Ampeln gibt es selten, außerdem dienen sie eher als Lichtquelle als zur Regelung des Verkehrs, und nützen einem Fußgänger daher herzlich wenig. Zur Überquerung einer solchen Straße werfe man sich also bei einer guten Gelegenheit, z. B. einer kleinen Lücke, in den fahrenden Verkehr und hoffe, dass die Autofahrer -falls nötig- abbremsen oder ausweichen. Dies kostet durchaus einige Überwindung. Aber nachdem ich nun schon zahlreiche Erfolge beim Überqueren solcher Straßen hatte, war ich der Überzeugung, dass ich die Methode doch mittlerweile ganz gut drauf habe. Als ich neulich wieder zögernd am Rand einer der bereiteren und sehr stark befahrenen Straßen stand und auf die kleine Lücke im Verkehr wartete, muss ich wohl so hilflos ausgesehen haben, dass mich doch promt ein netter Ägypter über die Straße geleitet hat. Er sah mich und lief quasi direkt los, in den fahrenden Verkehr hinein, so dass alle Autos anhielten und ich hinter ihm über die Straße gerannt bin. Ich war wirklich sehr beeindruckt! Meine Methode ist also noch ausbaufähig. Ich hoffe, die Übung macht's =)
Freitag, 9. November 2007
PDP Intern at GTZ
Es ist wohl nun mal an der Zeit ein paar Worte über den eigentlichen Grund meines Aufenthaltes in Ägypten - abgesehen von dem Wunsch, tauchen zu gehen und arabisch zu lernen - zu verlieren. Ich bin in Kairo für das Praktikum bei einem Projekt der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), dem Participatory Development Programme (PDP). Das PDP zielt darauf ab, informelle Gebiete in Kairo durch partizipative Methoden aufzuwerten und dadurch die Lebensbedingungen für die arme Bevölkerung in diesen Gebieten zu verbessern. Das ganze Programm ist ziemlich komplex und ich kann nun nach drei Wochen
von mir behaupten, dass ich verstanden habe, was bisher passiert ist und wie das hier alles so funktioniert. Die teilweise etwas unausgereiften Englischkenntnisse meiner ägyptischen Kollegen sowie die unüberschaubare Anzahl an Abkürzungen haben den Verständnisprozess zunächst sicher nicht gefördert. Aber auch hiermit finde ich mich mittlerweile ganz gut zurecht.
Unser Büro ist in der Ministry of Economic Development (MoED) untergebracht, zu dem wir jeden Morgen mit einem Fahrer hingefahren und Abends wieder zu unserem Treffpunkt auf Zamalek zurück gebracht werden.
Mein zweiter Aufgabenbereich liegt in der GIS-Unit, die quasi eines der partizipativen tools darstellt: sharing available information. Die GIS-Unit hat GIS (Geographische Informationssysteme) in bestimmten Abteilungen (sog. IC, Information Center) der lokalen Verwaltungen in den Piolotgebieten durch on-the-job training von ausgewählten Angestellten eingeführt und unterstützt diese bei ihrer Arbeit auch weiterhin. So konnten bisher die informellen Gebiete samt jeglicher infrastruktureller und sozialer Einrichtungen in Karten verfügbar gemacht werden, was wirklich sehr beeindruckend ist! Meine Aufgabe ist glück
licherweise nicht die Arbeit mit dem eigentlich GIS-Programm. Ich soll helfen, bestimmte von der Abteilung erstellte Produkte zu vermarkten sowie Prozesse der Zusammenarbeit mit den lokalen Verwaltungen und anderen PDP Abteilungen zu optimieren. Darüber hinaus sorge ich dafür, dass sich die Englischkenntnisse von Mohamed, dem GIS team leader verbessern =) Ich bin zum korrigieren angewiesen, was mir natürlich Spaß macht! Im Gegenzug dazu erhalte ich natürlich die Möglichkeit, meine neuesten Errungenschaften arabischer Wörter zu testen.
GIS-Unit: Heba, Mohamed, ich, Sizu und Mamdouh (v. l.)
Es macht mir bisher sehr viel Spaß und ich finde alles super spannend. Ich konnte schon zwei ICs in informellen Vierteln besuchen sowie bei einem "Round Table Dialogue" in Cairo Governorate dabei sein, wo ich dann sogar dem Governor persönlich die Hand geschüttelt habe. Ich hoffe auf noch mehr solch interessanter Erfahrungen...
Für weitere Infos über PDP siehe: http://www.egypt-urban.de/


PDP Kollegen bei Besuch in Boulaq El Dakrour
Round Table Dialog in Cairo Governorate
Unser Büro ist in der Ministry of Economic Development (MoED) untergebracht, zu dem wir jeden Morgen mit einem Fahrer hingefahren und Abends wieder zu unserem Treffpunkt auf Zamalek zurück gebracht werden.
Ministry of Economic Development:
ziemlich unspektakulär
Aufgabenmäßig bin ich zwei Leuten zugeteilt, so dass sich meine Tätigkeiten recht abwechslungsreich gestalten. Mit Gundula arbeite ich zusammen an Manuals zur Darstellung der partizipativen tools, die dann von den unterschiedlichen stakeholdern genutzt werden sollen, um die bereits in den Pilotgebieten Boulaq El Dakrour und Manshiet Nasser getesteten tools auch nach Beendigung des PDP in anderen Vierteln umsetzen zu können. Daneben sollen unter anderem auch Leute in den relevanten Abteilungen der ägyptischen Verwaltung Trainings zu diesen tools erhalten. Hierzu gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich mit Capacity Building (CB) und HR-training befasst, der ich nun auch angehöre und die praktisch die gesamte Einführung und Umsetzung der Trainings organisieren soll.ziemlich unspektakulär
Mein zweiter Aufgabenbereich liegt in der GIS-Unit, die quasi eines der partizipativen tools darstellt: sharing available information. Die GIS-Unit hat GIS (Geographische Informationssysteme) in bestimmten Abteilungen (sog. IC, Information Center) der lokalen Verwaltungen in den Piolotgebieten durch on-the-job training von ausgewählten Angestellten eingeführt und unterstützt diese bei ihrer Arbeit auch weiterhin. So konnten bisher die informellen Gebiete samt jeglicher infrastruktureller und sozialer Einrichtungen in Karten verfügbar gemacht werden, was wirklich sehr beeindruckend ist! Meine Aufgabe ist glück
GIS-Unit: Heba, Mohamed, ich, Sizu und Mamdouh (v. l.)
Es macht mir bisher sehr viel Spaß und ich finde alles super spannend. Ich konnte schon zwei ICs in informellen Vierteln besuchen sowie bei einem "Round Table Dialogue" in Cairo Governorate dabei sein, wo ich dann sogar dem Governor persönlich die Hand geschüttelt habe. Ich hoffe auf noch mehr solch interessanter Erfahrungen...
Für weitere Infos über PDP siehe: http://www.egypt-urban.de/
PDP Kollegen bei Besuch in Boulaq El Dakrour
Round Table Dialog in Cairo Governorate
Mubarak darf an keiner Wand fehlen!
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