Freitag, 16. November 2007

Es gibt noch viel zu lernen...

Eine der täglichen Herausforderungen ist das Kairoer Verkehrschaos, mit dem man auch als Fußgänger ziemlich zu kämpfen hat. Denn häufig sind die Bürgersteige in solch schlechtem Zustand, dass man sie nicht benutzen kann (im Falle einer Benutzung ist in jedem Fall permanentes auf den Boden schauen gefordert, da es sonst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zur Kollision mit herumliegenden Steinen oder plötzlich auftauchenden Schlaglöchern kommt!), sie werden von parkenden Autos in Anspruch genommen oder sie sind erst gar nicht vorhanden. Da man so gezwungen wird, auf der Straße zu laufen, nimmt man auch als Fußgänger unmittelbar am fahrenden Verkehr teil.
Hieran kann ich mich durchaus gewöhnen. Womit ich mich allerdings auf keinen Fall anfreunden kann, ist die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. Ich kann mich damit abfinden, dass sie andere Autofahrer anhupen, aber doch bitte nicht auch noch mich! Vor allem nicht, wenn ich sie neben mir sind und ich sie eigentlich sehe. Ein kräftiges ins Ohr hupen am morgen ist für die noch schläfrigen Sinne ziemlich nervtötend. Das Ignorieren des Gehupe kann somit zu einer echten Herausforderung werden.
Eine Hürde stellen für Fußgänger - insbesondere nicht-ägyptische Fußgänger - auch die drei- bis vierspurigen Straßen dar (die Anzahl der Spuren bezieht sich hier nur auf die Breite der Straße, denn für Ägypter spielen Markierungen eher eine untergeordnete Rolle). Ampeln gibt es selten, außerdem dienen sie eher als Lichtquelle als zur Regelung des Verkehrs, und nützen einem Fußgänger daher herzlich wenig. Zur Überquerung einer solchen Straße werfe man sich also bei einer guten Gelegenheit, z. B. einer kleinen Lücke, in den fahrenden Verkehr und hoffe, dass die Autofahrer -falls nötig- abbremsen oder ausweichen. Dies kostet durchaus einige Überwindung. Aber nachdem ich nun schon zahlreiche Erfolge beim Überqueren solcher Straßen hatte, war ich der Überzeugung, dass ich die Methode doch mittlerweile ganz gut drauf habe. Als ich neulich wieder zögernd am Rand einer der bereiteren und sehr stark befahrenen Straßen stand und auf die kleine Lücke im Verkehr wartete, muss ich wohl so hilflos ausgesehen haben, dass mich doch promt ein netter Ägypter über die Straße geleitet hat. Er sah mich und lief quasi direkt los, in den fahrenden Verkehr hinein, so dass alle Autos anhielten und ich hinter ihm über die Straße gerannt bin. Ich war wirklich sehr beeindruckt! Meine Methode ist also noch ausbaufähig. Ich hoffe, die Übung macht's =)

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